Historische Verkehrswege im Oberrheintal

Das Oberrheintal, also der Flussabschnitt vom Basler Rheinknie bis zur erneuten Wendung des Flusses bei Mainz und dem Eintritt in den Durchbruch durch das Mittelgebirge bei Bingen, ist geographisch und geologisch eine einzigartige Landschaft im westlichen Mitteleuropa. Sie gehört durch die Fruchtbarkeit ihrer verschiedenen Böden, ihre klimatischen Bedingungen und durch ihre infrastrukturelle Bedeutung als Verkehrsachse zu den zentralen Kulturräumen der europäischen Geschichte.

Der Vortrag wird zunächst die geologisch-geographischen Bedingungen kurz in Erinnerung rufen, um dann einen Überblick über die historischen Verkehrswege zu Lande und zu Wasser zu bieten. Dabei wird der Schwerpunkt darauf liegen, wie sich die Menschen seit der Römerzeit mit dem Naturraum des Rheintals auseinandergesetzt haben, ihn sich zunehmend angeeignet und schließlich infolge der von Johann Gottfried Tulla initiierten Rheinbegradigung im 19. Jahrhundert unterworfen haben. 

Eckdaten :

1. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr. : Römer am Rhein: erste dauerhafte Brücken über den Fluss bei Augst/Basel, Kembs (?), Breisach (?), Straßburg/Kehl (?) und Mainz.

12. – 17. Jh. : Dauerhafte Brücken (aus Holz) sind nachgewiesen bei Basel, Breisach, Straßburg und Mainz.

seit dem 18. Jh. : wohl keine dauerhafte Rheinbrücke nördlich von Basel (vgl. aber die Brautfahrt von Marie-Antoinette 1770).

1861 : Rheinbrücke Kehl

1862 : Mainz, Südbrücke

1867 : Rheinbrücke Mannheim – Ludwigshafen

MITTWOCH, 05. MAI

10:00 UHR

Ihr Dozent

Eckhard Wirbelauer studierte Alte Geschichte, Lateinische Philologie und Mittellateinische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 1992 wurde er in Freiburg bei Hans-Joachim Gehrke mit der Dissertation Die Auseinandersetzungen um den römischen Episkopat in der Spätantike promoviert. Seit 1991 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Freiburg tätig, seit 1992 als wissenschaftlicher Assistent von Jochen Martin. 1998 wurde er mit der Schrift Kephallenia und Ithaka. Historisch-geographische und quellenkritische Untersuchungen zu zwei Inseln im Ionischen Meer habilitiert. Danach war er in Freiburg Privatdozent und Hochschuldozent. 2004 wurde er Professor für Griechische Geschichte an der Université Marc Bloch de Strasbourg, 2007 für Römische Geschichte.

Lesetipps :

Fritz Brechtel – Christoph Schäfer – Gerrit Wagener (Hrsg.), Lusoria Rhenana. Ein römisches Schiff am Rhein. Neue Forschungen zu einem spätantiken Schiffstyp, Hamburg 2016.

Odile Kammerer – Benjamin Furst (Hrsg.), Atlas historique du Rhin supérieur / Der Oberrhein: ein historischer Atlas. Essai d’histoire transfrontalière, Straßburg 2019.

Hans Ulrich Nuber, Das „Lyoner Bleimedaillon“ – ein frühes Bildzeugnis zur Geschichte Alamanniens, in: Alemannisches Jahrbuch 58/59, 2009/10, S. 9–88.

Norbert Ohler, Verkehr am Oberrhein im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, in: Alemannisches Jahrbuch 1999/2000, S. 177–224.

Norbert Ohler, Landeskunde Südwestdeutschlands: Eine Auswahlbibliographie mit Schwerpunkt Geschichte unter Berücksichtigung von Anrainern und Nachbardisziplinen, 2010, vgl. https://freidok.uni-freiburg.de/data/7863.

Eckhard Wirbelauer, Verkehrswege im Oberrheintal zu Lande und zu Wasser, in: Gertrud Kuhne – Eckhard Wirbelauer (Hrsg.), Am anderen Flussufer. Die Spätantike beiderseits des südlichen Oberrheins / Sur l'autre rive. L'Antiquité tardive de part et d'autre du Rhin supérieur méridional, Esslingen 2019, S. 158–169.