Die Thraker: Das stämmereiche Volk des Goldes, des Weines und der Heroen

Die frühesten Bewohner der östlichen Balkanhalbinsel, deren Name uns bekannt ist, waren die Thraker. Sie werden im zweiten Lied Homers „Ilias“ als trojanische Verbündete dokumentiert. Ihre Herkunft ist bislang umstritten. Es besteht jedoch Einigkeit darüber, dass ihre Sprache zu der indoeuropäischen Familie gehörte. Die berühmteste Information über sie verdanken wir Herodot. Er bezeichnet die Thraker nächst den Indern als das gröβte Volk auf Erden.

Die Geschichte des antiken Thrakien ist nur fragmentarisch belegt. Deshalb ist es unmöglich, ein vollständiges Bild davon zu vermitteln, was mit den verschiedenen thrakischen Stämmen im Laufe der Jahrhunderte geschehen war. Aus diesem Grund zielt die folgende Präsentation darauf ab, nur einige der bemerkenswertesten Momente der historischen Entwicklung der alten Thraker hervorzuheben. Dies würde den notwendigen Kontext bieten, um sich auf einige der herausragenden kulturellen Errungenschaften dieses Volkes zu konzentrieren.

Mit der Präsenz der Achämeniden in Thrakien ist einer der frühesten historischen Berichte verbunden.

Die Periode des Peloponnesischen Krieges und die darauf folgenden Jahre fallen mit einer ereignisreichen Zeit auch für Thrakien zusammen, die zu einem großen Teil auf die Kriegszeit selbst zurückzuführen war, wobei auch andere Faktoren wesentlich dazu beitrugen.

Das 4. und das sehr frühe 3. Jahrhundert v. Chr. sind das Alter sowohl der thrakischen als auch der makedonischen mächtigen Herrscher und haben zudem auch eine große Anzahl atemberaubender Artefakte und Gräber hervorgebracht.

Die keltische Invasion führte zu einem kurzen Auftreten des keltischen Königreichs im Hinterland von Byzantion, dem jedoch nur einige Jahrzehnte später der Beginn der römischen Eroberung der Balkanhalbinsel folgte. Makedonien und Südwestteil Thrakiens fielen zuerst unter römische Herrschaft.

Nach blutigen Konflikten von längerer Dauer wurden die thrakischen Gebiete entlang der unteren Donau erobert und der Provinz Moesia organisiert. Kurz danach wurde das letzte thrakische Königreich in römische Provinz Thrakien verwandelt.

Auf diese Weise begann die Römerzeit der thrakischen Länder. Da spielten sie eine wichtige Rolle. Beweis dafür ist die Tatsache, dass zwei römische Kaiser gegen Eindringlinge hier im Kampf gefallen waren. Diese Jahrhunderte haben eine Vielzahl von Belegen für das religiöse Leben der alten Thraker hervorgebracht.

Eckdaten :

113. oder 12. Jh. v. Chr. : Trojanischer Krieg; kurz danach herrschten, gemäß Diodor von Sizilien, die Thraker 79 Jahre über das Meer.

513/2 v. Chr. : während des Feldzugs gegen die Skythen marschierte Darius I. durch Ostthrakien.

480 v. Chr. : während des Feldzugs gegen Griechenland marschierte Xerxes I. durch Südthrakien.

431 г. : Athen organisierte ein Bündnis mit dem König der Thraker Sitalkes, der Herrscher des Odrysenreiches.

383 – 360 v. Chr. : die Herrschaft des Odrysenkönig Kotys I., dessen Name auf mehreren thrakischen silbernen Gefäßen belegt ist.

340/39 und 335 v. Chr. : Philipp II. von Macedonien erobert Südthrakien; Feldzüge Philipps und Alexanders d. Gr. gegen die Triballer in Nordwestthrakien.

са. 278 – са. 218/212 v. Chr. : Keltisches Königreich im Hinterland von Byzantion.

188 v. Chr. : der erste militärische Zusammenstoß der Thraker mit den römischen Legionen.

148 v. Chr. : der Südwestteil Thrakiens fiel unter römische Herrschaft, als die Provinz Macedonia gegründet wurde.

47 n. Chr. : höchstwahrscheinlich wurde in diesem Jahr das letzte thrakische Königreich in die römische Provinz Thracia verwandelt.

mittwoch, 30. juni

10:00 UHR

Ihre Dozentin

Dr. Dilyana Boteva ist Professorin für Alte Geschichte und Thrakologie an der Sofioter Universität St Kliment Ohridski. Seit 1986 ist sie an dieser Universität tätig, anfangs als Assistenzprofessor. Nach Spezialisierung in Athen, Wien (als Herder-Stipendiatin) und Saarbrücken wurde sie in Sofia 1994 mit der Arbeit Niedermösien und Thrakien im System des Römischen Kaiserreiches (193 – 217/218 n. Chr.) (veröffentlicht 1997 auf Bulgarisch mit detaillierter Zusammenfassung auf Englisch nach jedem Kapitel) promoviert. 2001 wurde sie an der Sofioter Universität mit dem Buch “Probleme der thrakischen Geschichte und Kultur: Neue Lesungen von Herodot und Thukydides” (veröffentlicht auf Bulgarisch mit kurzer Zusammenfassung auf Englisch) habilitiert. 2002-2003 war sie Alexander von Humboldt-Stipendiatin an der Arbeitsstelle für Semiotik des Instituts für Sprache und Kommunikation an der Technischen Universität Berlin. 2014 habilitierte sie sich als Professorin mit dem Buch “Antike Texte und ihre heutige Lektüre. Einige Schwerpunkte aus den acht Jahrhunderten fragmentarische Geschichte des antiken Thrakien (4. Jh. v. Chr. - 4. Jh. n. Chr.)”. Sofia 2014 (auf Bulgarisch). Seit 2008 ist sie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des „Laboratorio di studi e ricerche sulle antiche Provinz Danubiane“ der Universität Ferrara (Italien). 1989 bekam sie die Jährliche Auszeichnung des Rektors der Sofioter Universität für junge Forscher im Bereich der Geisteswissenschaften und 2019 wurde sie als Ehrenmitglied des Nationalen Archäologischen Instituts mit Museum der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet.

Lesetipps :

Handbuch zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1: Herrschaft und Politik in Südosteuropa von der römischen Antike bis 1300. Hgg.: Fritz Mitthof/Peter Schreiner/Oliver J. Schmitt. Berlin, Boston: De Gruyter Oldenbourg, 2019. XLIV, 1122 Seiten.

Die Thraker. Das goldene reich des Orpheus. Katalog anlässlich der Ausstellung vom 23. Juli bis 28. November 2004 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Mainz: Verlag Philipp von Zabern 2004. 384 Seiten.

Gerda von Bülow, Schätze aus Thrakien. Hanau: Dausien, 1985. 145 Seiten.

Manfred Oppermann, Thraker zwischen Karpatbogen und Ägäis. Berlin: Urania Verlag, 1984. 268 Seiten.

Joseph Wiesner, Die Thraker. Studien zu einem versunkenen Volk des Balkanraumes. Stuttgart: Urban Bücher, 1963. 256 Seiten.